Wohnprojekt

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Schüler der Lobetaler Hermann-Reske-Schule proben eigenständiges Wohnen

„Wir waren lange wach – bis um zwölf“, erzählt Nadine Ziebinski. „Um 6.17 Uhr waren wir aber wieder wach“, ergänzt die 19-jährige Anna Dauert. Nadine und Anna sind zwei von sechs Teilnehmern eines Wohnprojekts der Lobetaler Hermann-Reske-Schule.


Um einmal zu testen, wie es ist, selbständig zu wohnen, hatte ihnen ihre Schule für vier Tage eine Ferienwohnung am Rande der Celler Innenstadt gemietet. Die Aufgabe der drei Schülerinnen und drei Schüler im Alter von 17 bis 19 Jahren bestand darin, ihre Zeit vor und nach dem täglichen Schulbesuch möglichst eigenständig zu organisieren. Dazu gehörten zum Beispiel die Busfahrt nach Lobetal und wieder zurück zur Bushaltestelle am Schlossplatz, ebenso das Planen der gemeinsamen Mahlzeiten und das Einkaufen der Lebensmittel, das Sauberhalten der Wohnung und die Freizeitgestaltung.


Die Tage wurden jeweils von einer Lehrkraft begleitet, die den Schülern beratend zur Seite stand. Jeder Teilnehmer hatte für die Zeit insgesamt 30 Euro zur Verfügung. Das entspricht in etwa der Größenordnung, die ihnen auch später, falls Sie nach ihrer schulischen Ausbildung eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung besuchen und im so genannten Ambulant begleiteten Wohnen leben, zur Verfügung steht. Ganz unterschiedlich setzten die Teilnehmer das Geld ein. Tobias Rust und Christian Ohlmeier kochten sich zum Beispiel am ersten Abend Spaghetti mit einer Pesto-Sauce aus dem Glas. Oliver begnügte sich mit belegtem Toastbrot. Zum Abschluss der Tage gönnte sich Tobias dann Döner/Pommes. Oliver hatte am Ende der Zeit noch 4 Euro übrig, die er ebenfalls in einen Döner investierte. Alle Teilnehmer sind für den überschaubaren Zeitraum mit dem Geld klargekommen. Die Zwillinge Jenny und Nadine verzichteten auf einen angedachten Kinobesuch und investierten das Geld in Essen und etwas Schmuck in Form von Freundschaftsbändern.


Schulleiter Jörn Fangmann ist begeistert: „Es ist einfach spannend zu erleben, wie die Themen aus dem Wohnpraktikum auch den Alltag in der Schule bestimmten. So wurde in der Schule überlegt, wo welche Einkäufe getätigt werden, damit am kostengünstigsten eingekauft werden kann. Auch Möglichkeiten der Freizeitgestaltung wurden in der Schule besprochen und recherchiert, so wurde im Internet gegoogelt, welche Möglichkeiten sich in Celle, beispielsweise in der CD-Kaserne bieten. Schön war es zu erleben, wie die Schüler eigenständig die unterschiedlichen Aufgaben aufteilten, so übernahmen einige den Einkauf und andere den Abwasch oder auch das morgendliche Wecken.“ Der Schulleiter möchte das Projekt gerne auch in Zukunft, zum Beispiel alle zwei Jahre, anbieten.


Gerne wiederholen möchte auch der 17-jährige Oliver Lanz das Wohnprojekt, dann „aber länger – von Montag bis Sonntag“, schlägt er vor. „Am besten jeden Monat“, würde die 18-jährige Nadine so wohnen wollen. „Irgendwann machen wir eine WG auf“, freut sie sich schon.

Markus Weyel

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